2010
... erschüttert ein Riesen-Skandal die Kunst-Szene. Medial wird dieser Fall als der größte Fälschercoup der Nachkriegszeit gewertet. Der Maler Wolfgang B., seine Frau Helene und seine Schwägerin Susanne S. werden verhaftet. Der Vorwurf: Mindestens 35 Gemälde gefälscht und in Umlauf gebracht zu haben. Ein Desaster nicht nur in finanzieller Hinsicht, denn zurückbleiben auch ramponierte Kunstexperten und diskreditierte Auktionshäuser. Seit 1995 lieferten die Schwestern Bilder der Rheinischen Expressionisten wie Campendonk, Pechstein, Purrmann, aber auch von Max Ernst bei Auktionshäusern ein. Angeblich stammten sie aus dem großväterlichen Erbe, der Sammlung Jägers. Zusätzlich gesichert schien die Provenienz durch rückseitige Aufkleber, wie zum Beispiel dem des legendären Galeristen Alfred Flechtheim. Sagenhafte 2,4 Millionen Euro blätterte die maltesische Trasteco Ltd. auf den Tisch des Kölner Auktionshauses Lempertz für das Campendonk Malwerk "Rotes Bild mit Pferden". Als später Zweifel an der Echtheit aufkommen, ist es wieder einmal das Titanweiß, das als Künstlerfarbe ab 1950 verwendet wurde und das nun den Beweis liefert. Mit seinem handwerklichen Können und profunden kunsthistorischen Kenntnissen hat der Maler Wolfgang B. nicht nur die Campendonk-Expertin Andrea F. in die Irre geführt, sondern auch den Max-Ernst-Papst Werner S. Diese erklärte das Bild "La Horde" für echt und überredete den Schraubenhersteller Würth, es seiner Sammlung hinzuzufügen. S., so wurde bekannt, bekam nicht nur Geld als Gutachter, sondern war auch prozentual am Verkauf beteiligt. Während noch die Fachleute ebenso wie die Auktionshäuser Christie's und Lempertz versuchen, das lädierte Image zu restaurieren, findet 2011 der Prozess statt. In medienwirksamen Auftritten bekennt sich Wolfgang B. schuldig, 14 Bilder gefälscht zu haben. Damit erspart er dem Gericht langwierige Untersuchungen und wird zu sechs Jahren verurteilt. Seine Frau bekommt vier und ein Kompagnon fünf Jahre. Nun wartet der Kunstmarkt gespannt auf das Auftauchen weiterer B.-Werke.
... befasste sich ein Berliner Mal-Autodidakt mit zwei sehr unterschiedlichen Künstlern: dem in Auschwitz ermordeten Neusachlichen Felix Nussbaum (1904 - 1944) und dem Jungen Wilden Martin Kippenberger (1953 - 1997). Und beschäftigt damit die Justiz. Im Sommer 2007 wird das Bild "Stillleben mit Puppe und Pampelmuse" der Chefin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Museums vorgelegt. Diese befindet es für echt. Als sie von einem Ex-Mitarbeiter eines renommierten Auktionshauses den Rat bekommt, das Werk zu kaufen, da es sonst an einen amerikanischen Sammler gehe, erwirbt sie es für 200.000 Euro. Dass für diesen Tipp Geld floss, erfährt die Nussbaum-Expertin erst während des Prozesses. Auch ein zweites Bild "Selbstbildnis mit Maske" wird durch die Aufnahme ins Werkverzeichnis geadelt und für 320.000 Euro an einen Privatsammler in den USA verkauft. Durch eine anonyme Anzeige fliegt der Nussbaum-Schwindel auf und mit ihm zwei Kippenberger-Arbeiten. Eines davon "Spielende Kinder vor einem VW Porsche" war von einem Berliner Auktionshaus für die Herbstversteigerung vorgesehen. Das Gericht liess Milde walten und verurteilte den Fingerfertigen Nachahmer samt einem Subunternehmer, der für die Kippenberger verantwortlich zeichnet, zu einer Bewährungsstrafe.
... verkauft eine Kunsthändlerin in Los Angeles die Picasso-Zeichnung "La Femme aus Chapeau Bleu" für zwei Millionen. Als dem Käufer Zweifel an der Echtheit kommen und die Polizei nachforscht, gibt die 70jährige zu, die Arbeit selbst in Auftrag gegeben und 1000 Dollar bezahlt zu haben. Von dem Gewinn dieses Geschäfts hatte sich die betagte Kunstliebhaberin einen Willem de Kooning, einen echten, spendiert. Der soll nun versteigert werden, um den betrogenen Picasso-Käufer zu entschädigen.
2009
... geht ein sensationeller Fang den LKA-Fahndern in Mainz ins Netz: 1000 gefälschte Giacometti-Figuren werden konfisziert, ein "Reichsgraf" und ein Kunsthändler-Ehepaar in U-Haft genommen. Der aus Schwerin stammende angebliche "Lothar Senke Graf von Wallstein" lieferte die Legende für die Skulpturen, indem er behauptete, er sei mit dem Giacometti-Bruder Diego befreundet gewesen. Von diesem habe er die Figuren übernommen, so behauptete der falsche Adelige, damit sie nicht in den Besitz anderer Künstler-Erben gelangten. Untermauert wurde diese Mär durch ein in Mini-Auflage erschienenes Buch "Diegos Rache". Für diesen dreisten Coup bekommt der "Reichsgraf" neun Jahre Jahre Gefängnis und sein Kompagnon, ein Kunsthändler, mehr als sieben Jahre, darin enthalten die Strafe aus einem vorangegangenem Verfahren für das gleiche Delikt. Der Schaden wird auf acht Millionen Euro geschätzt.
... mehr Geld als Kunstverstand besaßen kolumbianischen Drogenbarone, als sie ihre Villen standesgemäss ausstaffieren liessen. Hunderte von vermeintlich hochkarätigen Meisterwerken, darunter solche, die angeblich aus der Hand von Dali, Renoir, Rubens und Picasso stammten, konfiszierte die Polizei in Bogota bei einer Razzia. Die hat nun ein Problem: Es fehlt das Geld, die Fundstücke wissenschaftlich prüfen zu lassen.
2007
... steht in England ein betagtes Ehepaar und dessen Sohn vor Gericht. Jahrelang fertigte der Filius Bilder und Skulpturen in der Manier von Künstlern quer durch die Kunstgeschichte. Die Falsifikate brachte der Vater erfolgreich auf den Markt, indem er sich als ahnungsloser Besitzer von Erbstücken ausgab. Der Trick funktionierte bestens, unter anderem bei einer Faun-Keramik, die angeblich aus der Hand Paul Gaugins stammte. Doch dann unterlief dem Sohn bei der Herstellung eines assyrischen Reliefs ein Fehler in der Keilschrift, und der ganze Schwindel flog auf. Auf rund zehn Millionen Pfund wird das Oeuvre des bemerkenswert vielseitigen Fälschers geschätzt, der dafür vier Jahre Gefängnis kassierte.






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