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Echtes Geld für falsche Kunst...

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1998

2007

 

2010

 

... erschüttert ein Riesen-Skandal die Kunst-Szene. Medial wird dieser Fall als der größte Fälschercoup der Nachkriegszeit gewertet. Der Maler Wolfgang B., seine Frau Helene und seine Schwägerin Susanne S. werden verhaftet. Der Vorwurf: Mindestens 35 Gemälde gefälscht und in Umlauf gebracht zu haben. Ein Desaster nicht nur in finanzieller Hinsicht, denn zurückbleiben auch ramponierte Kunstexperten und diskreditierte Auktionshäuser. Seit 1995 lieferten die Schwestern Bilder der Rheinischen Expressionisten wie CampendonkPechstein, Purrmann, aber auch von Max Ernst bei Auktionshäusern ein. Angeblich stammten sie aus dem großväterlichen Erbe, der Sammlung Jägers. Zusätzlich gesichert schien die Provenienz durch rückseitige Aufkleber, wie zum Beispiel dem des legendären Galeristen Alfred Flechtheim. Sagenhafte 2,4 Millionen Euro blätterte die maltesische Trasteco Ltd. auf den Tisch des Kölner Auktionshauses Lempertz für das Campendonk Malwerk "Rotes Bild mit Pferden". Als später Zweifel an der Echtheit aufkommen, ist es wieder einmal das Titanweiß, das als Künstlerfarbe ab 1950 verwendet wurde und das nun den Beweis liefert. Mit seinem handwerklichen Können und profunden kunsthistorischen Kenntnissen hat der Maler Wolfgang B. nicht nur die Campendonk-Expertin Andrea F. in die Irre geführt, sondern auch den Max-Ernst-Papst Werner S. Diese erklärte das Bild "La Horde" für echt und überredete den Schraubenhersteller Würth, es seiner Sammlung hinzuzufügen. S., so wurde bekannt, bekam nicht nur Geld als Gutachter, sondern war auch prozentual am Verkauf beteiligt. Während noch die Fachleute ebenso wie die Auktionshäuser Christie's und Lempertz versuchen, das lädierte Image zu restaurieren, findet 2011 der Prozess statt. In medienwirksamen Auftritten bekennt sich Wolfgang B. schuldig, 14 Bilder gefälscht zu haben. Damit erspart er dem Gericht langwierige Untersuchungen und wird zu sechs Jahren verurteilt. Seine Frau bekommt vier und ein Kompagnon fünf Jahre. Nun wartet der Kunstmarkt gespannt auf das Auftauchen weiterer B.-Werke.

... befasste sich ein Berliner Mal-Autodidakt mit zwei sehr unterschiedlichen Künstlern: dem in Auschwitz ermordeten Neusachlichen Felix Nussbaum (1904 - 1944) und dem Jungen Wilden Martin Kippenberger (1953 - 1997). Und beschäftigt damit die Justiz. Im Sommer 2007 wird das Bild "Stillleben mit Puppe und Pampelmuse" der Chefin des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Museums vorgelegt. Diese befindet es für echt. Als sie von einem Ex-Mitarbeiter eines renommierten Auktionshauses den Rat bekommt, das Werk zu kaufen, da es sonst an einen amerikanischen Sammler gehe, erwirbt sie es für 200.000 Euro. Dass für diesen Tipp Geld floss, erfährt die Nussbaum-Expertin erst während des Prozesses. Auch ein zweites Bild "Selbstbildnis mit Maske" wird durch die Aufnahme ins Werkverzeichnis geadelt und für 320.000 Euro an einen Privatsammler in den USA verkauft. Durch eine anonyme Anzeige fliegt der Nussbaum-Schwindel auf und mit ihm zwei Kippenberger-Arbeiten. Eines davon "Spielende Kinder vor einem VW Porsche" war von  einem Berliner Auktionshaus für die Herbstversteigerung vorgesehen. Das Gericht liess Milde walten und verurteilte den Fingerfertigen Nachahmer samt einem Subunternehmer, der für die Kippenberger verantwortlich zeichnet, zu einer Bewährungsstrafe.

... verkauft eine Kunsthändlerin in Los Angeles die Picasso-Zeichnung "La Femme aus Chapeau Bleu" für zwei Millionen. Als dem Käufer Zweifel an der Echtheit kommen und die Polizei nachforscht, gibt die 70jährige zu, die Arbeit selbst in Auftrag gegeben und 1000 Dollar bezahlt zu haben. Von dem Gewinn dieses Geschäfts hatte sich die betagte Kunstliebhaberin einen Willem de Kooning, einen echten, spendiert. Der soll nun versteigert werden, um den betrogenen Picasso-Käufer zu entschädigen.

2009

... geht ein sensationeller Fang den LKA-Fahndern in Mainz ins Netz: 1000 gefälschte Giacometti-Figuren werden konfisziert, ein "Reichsgraf" und ein Kunsthändler-Ehepaar in U-Haft genommen. Der aus Schwerin stammende angebliche "Lothar Senke Graf von Wallstein" lieferte die Legende für die Skulpturen, indem er behauptete, er sei mit dem Giacometti-Bruder Diego befreundet gewesen. Von diesem habe er die Figuren übernommen, so behauptete der falsche Adelige, damit sie nicht in den Besitz anderer Künstler-Erben gelangten. Untermauert wurde diese Mär durch ein in Mini-Auflage erschienenes Buch "Diegos Rache". Für diesen dreisten Coup bekommt der "Reichsgraf" neun Jahre Jahre Gefängnis und sein Kompagnon, ein Kunsthändler, mehr als sieben Jahre, darin enthalten die Strafe aus einem vorangegangenem Verfahren für das gleiche Delikt. Der Schaden wird auf acht Millionen Euro geschätzt.

... mehr Geld als Kunstverstand besaßen kolumbianischen Drogenbarone, als sie ihre Villen standesgemäss ausstaffieren liessen. Hunderte von vermeintlich hochkarätigen Meisterwerken, darunter solche, die angeblich aus der Hand von Dali, Renoir, Rubens und Picasso stammten, konfiszierte die Polizei in Bogota bei einer Razzia. Die hat nun ein Problem: Es fehlt das Geld, die Fundstücke wissenschaftlich prüfen zu lassen.

2007

... steht in England ein betagtes Ehepaar und dessen Sohn vor Gericht. Jahrelang fertigte der Filius Bilder und Skulpturen in der Manier von Künstlern quer durch die Kunstgeschichte. Die Falsifikate brachte der Vater erfolgreich auf den Markt, indem er sich als ahnungsloser Besitzer von Erbstücken ausgab. Der Trick funktionierte bestens, unter anderem bei einer Faun-Keramik, die angeblich aus der Hand Paul Gaugins stammte. Doch dann unterlief dem Sohn bei der Herstellung eines assyrischen Reliefs ein Fehler in der Keilschrift, und der ganze Schwindel flog auf. Auf rund zehn Millionen Pfund wird das Oeuvre des bemerkenswert vielseitigen Fälschers geschätzt, der dafür vier Jahre Gefängnis kassierte.

 

2006

... steht der Münchner Kunsthändler Ralf Michler vor Gericht. Der Galerist ist der Polizei als Dalí-Kenner und Helfer bei der Aufklärung von Fälschungsdelikten bekannt. Immerhin hatte er an der Erstellung des Werkverzeichnisses für Dalí-Druckgraphiken mitgearbeitet, das der Kunsthistoriker und Michler-Lebensgefährte Lutz W. Löpsinger 1994 veröffentlichte. In Verdacht gerät der 52jährige, als der LKA-Kunstfahnder Ernst Schöller einen Hinweis auf eine "Sammlung Löpsinger/Michler" erhält. Diese ist dem Kenner der Fälscher-Szene fremd und er beginnt zu ermitteln. Dabei stellt sich heraus, dass Michler in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Bei einer Hausdurchsuchung finden sich Hinweise, dass der Kunsthändler einen Fälscher in der Slowakei mit der Herstellung von Dalí-Falsifikaten beauftragt hat. Michler legt vor Gericht ein Geständnis ab und wird zu drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

 

2005

 

... zu drei Jahren und fünf Monaten Haft sowie 12,5 Millionen Strafe wird ein gebürtiger Iraner in New York verurteilt. Der Kunsthändler ersteigerte preiswerte Bilder von bekannten malern, liess sie kopieren und lieferte sie mit angeblichen Original-Zertifikaten überwiegend nach Japan. 2000 flog das lukrative Geschäft auf, als sowohl Sotheby's als auch Christie's je ein Exemplar  Paul Gaugins "Vase de Fleurs" anboten.

... bekommt der Amsterdamer Fälscher Geert Jan Jansen 400 Zeichnungen und Gemälde aus Frankreich zurück. Elf Jahre hatte der Rechtsstreit um den Besitz des Niederländers gedauert, zu dem eigene und damit gefälschte Werke ebenso gehören wie vermutlich echte Arbeiten. 1994 waren 1600 Bilder in Südfrankreich beschlagnahmt worden, wo „Monseigneur van Tongeren\" einen gut florierenden Kunsthandel betrieb. Nach Verbüßung einer Haftstrafe kehrte Jansen in seine Heimat zurück und kämpfte von dort aus gegen die französische Justiz, die den gesamten Fundus verbrennen lassen wollte. Rund 600 echte Werke, so argumentierte der Besitzer, seien darunter. Erst das Votum des ehemaligen Stedelijk-Museums Rudi Fuchs überzeugt die Franzosen.

... staunen die Nachlaß-Verwalter der italienischen Pop-Malers Mario Schifano nicht schlecht ob der wundersamen Bildvermehrung. 85 der 89 Bilder, die der angesehene Kunsthändler Giancarlo Iosimi in einer Ausstellung zeigt, sind falsch. Nachdem die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen hat, werden nicht nur Iosimi und sein Sohn, sondern auch Giovanni Schubert verhaftet. Dieser war in der Verangenheit als Sachverständiger sogar bei Gericht aufgetreten und hatte den Katalog zur Schifano-Schau erstellt. Sicher gestellt werden auch zehn unechte Arbeiten des Futuristen Mario Sironi.

... erzielt Auktionshaus Christie\'s bei der Herbstversteigerung Rekordpreise. Mark Rothkos „Homage an Matisse\" geht für 19 Millionen Euro weg. „In the Car\" von Roy Lichtenstein bekommt für 13,8 Millionen Euro den Zuschlag.Mehr als 11,5 Millionen wird für Picassos Gouache-Studie „Nu jaune\"bezahlt. Teuerstes Werk der Auktion ist die Skulptur „Cubi XXVII\" von David Smith mit rund 18 Millionen Euro.

 
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